Von Australien nach Bayern und zurück

Work and Travel Rückblick

Melbourne. April 2014. Herbst. 14 Monate befand ich mich mittlerweile in Australien. Mein Rückflugticket nach Deutschland war nur noch wenige Monate gültig. Ich beschloss meine beiden Jobs bei Spanish Doughnuts und als Promoter bei Costco zu kündigen, meine Wohnung aufzugeben und zu reisen. Auf meiner Heimreise legte ich noch ein paar Zwischenstops ein. Singapur, Bali und Kuala Lumpur. In Singapur und Kuala Lumpur machte ich Stadtbesichtigungen und Tagesausflüge in der Umgebung wie Sentosa Island. In Singapur besuchte ich ehemalige Spanish Doughnuts Arbeitskollegen und traf zufällig auf der Straße zwei österreichische Freundinnen, welche ich in Melbourne kennen lernte. Wir gingen Abends zusammen Essen und Cocktail trinken am Rooftop des weltberühmten Marina Bay Sands Hotels.

Indonesien. Ein paar Tage später flog ich für zwei Wochen nach Bali. Der Flug mit Air Asia war furchtbar. Wir gerieten in ein Gewitter, verloren ein paar Flugmeter und alle Passagiere fingen an zu schreien. Hat sich aber nach einer Weile wieder beruhigt. Anfangs war Bali für mich ein kleiner Kulturschock. Straßen überfüllt mit Roller, aufdringliche Straßenverkäufer, überall wurde mir Grünzeug angeboten, auf welches die Todesstrafe herrscht, sowie Taxi-Taxi, Magic Mushrooms und Viagra… Warum auch immer. Kuta ist voll mit partyverrücken Australiern. Das Leben dort ist viel günstiger als in Australien. Eine Hotelübernachtung kostet weniger als ein 4 Bettzimmer im Hostel. Im Hotel schloss ich schnell Kontakt mit deutschen Urlaubern und Lokaleinwohnern. Zum ersten Mal nach einem Jahr konnte ich auch wieder ein Bier auf der Straße trinken, was in Australien nicht erlaubt ist. Wir saßen abends immer am Strand und genossen den Sonnenuntergang mit einem Bierchen. Orgik, ein Einwohner aus Lombok lud mich in seine Heimat ein, um mir die Insel zu zeigen. Wir fuhren mit dem Bus quer durch Bali und anschließend mit dem lombokSpeedboot nach Lombok. Mit seinem Roller fuhr er mich samt Rucksack und vollgepackten Trolli zu einem 1 km vom Hafen entfernten Bungalow. Zwei Mann, Rucksack und großer Trolli auf einem Roller funktionierte schon irgendwie. Die Tage darauf zeigte er mir Lombok, ein echtes Paradies! Wir fuhren mit seinem Roller um die halbe Insel, besichtigen Wasserfälle, besondere Aussichtsplätze und besuchten seine Tante, die uns bestens mit Localfood (Fisch) umsorgte. Mir schmeckte es, doch Orgik musste sich nach dem Essen übergeben.

Nach Lombok fuhren Orgik und ich mit einem kleinen Boot zur kleinen Nachbarinsel Gili Trawangan. Die sogenannte Partyinsel der drei Gili Inseln. Auf Gili gibt es keine Autos und Roller, nur Pferdekutschen und Fahrräder. Perfekt! Vor meinen Abflug von Denpasar nach Deutschland verbrachte ich noch ein paar Tage in Bali (Ubud und Kuta). Orgik brachte mir noch ein paar Sätze auf Indonesisch bei, um es einfacher mit den lästigen Straßenverkäufern zu haben. Bei Abschied versprach ich ihm, ihn bald wieder zu besuchen!

Sommerurlaub in Deutschland – Bayern – Rottal Inn
Nach 1 ½ Jahren ging es zurück in die Heimat. Perfekt, es war ja Sommer und WM-Zeit. Hausbau, Hauskauf, Auszug, Nachwuchs, Hochzeiten, Jobwechsel, hochs und tiefs usw. Ja, es hat sich schon einiges in der vergangenen Zeit zu Hause getan. Anfangs fühlt es sich komisch an, morgens im eigenen Bett aufzuwachen. Die ersten Tage wusste ich morgens oft nicht, wo ich mich befand. Mit den Tieren zu Hause sprach ich auch noch auf Englisch. Recht schnell vergingen auch die zwei Monate im schönen Rottal. Geburtstagsfeiern, Babybesuche, Haus-, Wohnungs- und Firmenbesichtigungen, Stadt- und Waldfeste, WM und tagsüber für Ittas Bäckerei jobben und zu Hause Kühe melken.

Australien. Anfang September setzte ich mich wieder in den Flieger und reiste zurück nach Perth. Frühling – schönste Zeit. Ich zog zurück in mein Lieblingsstadtviertel Northbridge ins gleiche Hostel. Selbst nach mehr als 20 Monaten wohnte im Hostel noch ein französischer Kumpel. Auch beim Einkaufen traf ich auf alte Bekannte. Nach einer Woche begab ich mich wieder auf Jobsuche. Es war um einiges einfacher als zu Beginn meiner ersten Reise. Nach etwa 2 Stunden hatte nach ein paar Jobinterviews und 3 Jobangebote. Nach dem Probearbeiten in einem Öko-/Gewürzelanden, Cafe-/Saftshop sowie einem Restaurant/Bar hatte ich freie Auswahl. Wegen niedriger Bezahlung sagte ich den Öko-/Gewürzeladen nach dem PerthProbearbeiten ab. In dem Restaurant/Bar fing ich am nächsten Tag zu arbeiten an. Die chinesische Chefin besitzte ein Restaurant welches Steaks, Fisch, Reisgerichte, sowie Cafe und Kuchen anbot. Die Chefin war launenhaft. Unfreundlich zu Personal und Gästen. Schnelles Geld, statt guter Service war ihre Devise. Ich war zuständig für Barbereich, Gästeservice und Küche, Allrounder. Wenn das Restaurant voll war schrie und hetzte sie, wenn nicht viel los war, wurde sie nervös und beschuldigte Personal, weil keine Gäste hier sind. Quick quick quick, alles musste schnell gemacht werden. Nach einer Woche kündigte ich. Ich fing also den anderen Job als Barista im Cafe-/Saftshop an. Morgens um 6.30 Uhr begann die Schicht. Für mich als Langschläfer ein Horror. 🙂

Nach einer Woche rief mich der Manager des Restaurants mehrmals an und bat mich wieder zurückzukommen und für sie zu arbeiten. Bessere Arbeitszeiten und eine kleine Gehaltserhöhung locke mich wieder zurück. Zurück zu meiner chinesischen “Freundin”. Ich muss wohl wahnsinnig gewesen sein. Wegen der kleinen Gehaltserhöhung hatte sie mir unausgesprochen mehr Aufgaben und Verantwortung übertragen. Sobald im Restaurant nicht viel los war, musste ich Personal heimschicken. Würde ich es nicht tun, würde sie mich für den Zeitraum nicht bezahlen. Alle Einkäufe für die Bar und Küche erledigte ich. Es wurde mir überlassen, hauptsache ich kaufe so günstig wie möglich ein. Wenn die Chefin anwesend war, musste ich am Eingangsbereich Kunden ins Restaurant locken und das Restaurant so voll wie möglich machen, bis kein Tisch mehr frei war. Mein Glück war, dass sie dachte, ich sei aus England und kann deshalb mehr Gäste ins Restaurant reinziehen und mehr Umsatz machen. Mein stark deutsch-bayrische Akzent fiel ihr wohl nicht auf? Egal. Sobald ich Gästen ins Restaurant brachte und sie ihre Bestellung aufgaben, durfte ich mich nicht mehr mit ihnen unterhalten. Bestellten sie nur einen Drink, war sie sauer auf mich. Zerrte ich Gruppen ins Restaurant welche Essen bestellten, war ich ihr „handsome boy“. Zur Mittagszeit, wenn es Stressig war, hatten wir oft Backpacker zum Probearbeiten. Sie mussten 2 Stunden spülen und wurden dann wieder nach Hause geschickt. Sie seien zu langsam. Natürlich ohne Bezahlung.

Rede nicht mit Kunden, fokus auf Geld. Diese Nachricht stand eines Morgens für uns an der Kasse. Wow. Stammgäste – Fehlanzeige. Von sieben Restaurants musste sie sechs schließen. Dieses Restaurant besteht nur, weil es sich in der Stadtmitte befindet und vorwiegend mit Laufkundschaft guten Umsatz macht. Ich konzentrierte mich also auf meine Aufgaben und sah es als Erfahrung an. Meine Bezahlung und Arbeitszeit war ja gut. Freie Tage gab sie mir aber sehr selten. Es waren 7 Arbeitstage die Woche angesagt. beachHatte ich einen freien Tag, schickte sie mir morgens eine SMS ich soll sofort kommen. Sobald sie mir zu Nervig wurde und ich einen freien Tag wollte, schrie ich im selben Ton zurück, wie sie mich anbrüllte. Schon hatte ich meinen freien Tag. Wir verstanden uns schon auf unsere Weise und kamen damit klar. Meine freien Tage bzw. vor Arbeitsbeginn verbrachte ich meine Zeit meist am Strand mit Hostelfreunden.

Das Arbeiten in der Stadtmitte hat schon seine turbulenten Seiten. Es war eines der wenigen Restaurants in der City mit späten Öffnungszeiten. Affären, Schlägereien, Polizeibesuche, Diskussionen, wöchentliche Mitarbeiterwechsel usw. waren Alltag. Mindestens einmal die Woche rief ich die Stadtsecurity oder Polizei. Abends kamen oft betrunkene Aborigines ins Restaurant und wollten Gerichte der Kunden essen. Eines Abends ging ein Aborigine auf mich los, eine Gruppenschlägerei mit Stühlen, Einbruch im Restaurant und ein Todesfall vorm Eingangsbereich nach einer Schlägerei. Wahnsinn. Über andere verrückte Dinge der Zeit könnte ich ein Buch schreiben.

In gleichem Zeitraum arbeitete ich als Aushilfe auf Abruf morgends im Café-Saftshop als Barista. Hunderte von Cafés am Morgen wurden verkauft, da sich der Shop auch im Stadtzentrum neben dem Regierungs- und Bürogebäuden befand. Gute Bezahlung und Trinkgeld machten mir das Aufstehen am frühen Morgen einfacher. Sie setzten mich je nach Bedarf in zwei verschiedenen Shops ein. Arbeitsatmosphäre und Manager top.

Lange Zeit wohnte ich im Hostel, wollte und konnte es auch nicht ändern. Freizeit verbrachte ich viel mit Hostelfreunden und hostelArbeitskollegen am Strand und in Northbridge. Mittwochs Backpackerparty mit Hostelfreunden und donnerstags Brasiliennight mit zwei Arbeitskollegen aus Brasilien und Nepal in einer Sports-bar. Brasilianische Liveband, 90% Brasilianer und super Stimmung. Alles tanzt! Meine Zimmerkollegen waren auch spitze. Das Zusammenleben im Hostel in Northbridge war wie eine große Familie. Jeder verbrachte im Schnitt 3-5 Monate im selben Haus. Man wohnt und wächst ziemlich eng zusammen.

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