Work and travel in Australien - Farmjob

Back to the Roots

Work and Travel Farmjob

Von der Großstadt zurück aufs Land

Am Bahnhof in Gloucester hat mich der Farmer am Sonntag nach 4 Stunden fahrt empfangen. Wir sind mit seinem Wagen eine Weile aufs ländliche Gebiet gefahren. Die Landschaft sah aus wie im Auenland von Herr der Ringe. Es hat den ganzen Tag geregnet. Er erzählte mir einiges über seinem Betrieb und fragte mich woher ich komme und was ich mache. Ich glaub er meinte, ich würde ausschließlich auf dem Bauernhof meiner Eltern arbeiten. Oh oooo. Seine Farm hat über 1400 Kühe und über 1000 hektar. Denk es sind eher 2000 hektar. Das mit den Tieren ist auch so ne Sache. Ich glaub das sind auch viel mehr.

Als wir in der Farm angekommen sind, stellte er mir seine Frau, seine beiden Töchter und seinen Sohn vor. Außerdem wohnt und arbeitet auch eine Französin seit einer Woche dort, sie ist Besamungstechnikerin in Frankreich. Ja und jetzt steh ich als Mediendesigner mit meinen Urlaubsklamotten bei ihnen und werd auch etwas komisch angeschaut. Ich hatte bis zu dem Zeitpunkt wo ich ankam, keine Vorstellung von so einen großen Betrieb mit 1200 Kühen. In den vorherigen E-mails wurde noch von 600 geschrieben. Ich lebe ja selber auf einem Bauernhof, aber wir haben bei weitem nicht so viele Tiere.

Die Französin hatte mich bei der ersten Begegnung auch etwas erschrocken angesehen. Sie kann sich wohl nicht vorstellen, dass ich melken kann und auf dem Großebetrieb jetzt helfe. Für mich ist es jetzt wieder eine krasse Umstellung von der Großstadt zurück im recht abgelegenen Land zu wohnen. Die letzten 4 Monate hatte ich mich ganz gut ans Stadtleben gewöhnt. Jetzt heißte es wieder back to the roots – nur jetzt noch abgelegener.

Kurz zur Familie: Der Farmer ist tagsüber überall auf dem Land unterwegs, seine Frau ist Lehrerin, eine Tochter geht noch zur Schule, die ältere Tochter und der Sohn studiert ein paar Hundert Kilometer entfernt von der Farm. Momentan haben sie Ferien und arbeiten und organisieren den ganzen Betrieb mit Leib und Seele. Auf dem Betrieb arbeiten noch etwa 5 andere Teilzeitangestellte in verschiedenen Schichten und Tagen.

Als ich erschöpft nach dem essen und der langen Reise von Perth nach Sydney und in das Niemalsland ins Bett gegangen bin, ging auch schon wieder früh morgens mein Wecker – erster Arbeitstag. Zusammen mit der Französin fütterten wir die kleinen und großen Kälbchen. Das war chaos pur. Mit einem großen Tankanhänger werden die großen Kälbchen gefüttert. Nebenbei müssen wir die Milch für die kleinen Kälbchen rauslassen. Alle großen Kälbchen stürmten auf mich zu, springen mich an, nuggeln an allen Stellen und lassen einen unmöglich mit den Milcheimern durchkommen. Durchboxen ist angesagt. Anschließend musste ich jeweils 12 Boxen mit jeweils 6 kleinen Kälbchen füttern. Nachdem wir fertig waren, fuhren wir mit dem Quat zurück. Jetzt war ich schon von oben bis unten patschnass und dreckig. Der komplette Boden auf der Farm ist komplett mit Matsch und Schlamm, da es die letzten Tage nur regnete. Anschließend schnappte sich jeder ein Quatt und wir fütterten die Kühe auf den weitverbreiteten Feldern mit Getreide und Kraftfutter. Mit dem Quat mussten wir alle Kühe auf die Fressstelle sprengen. In manchen Farmen werden Pferde zum Zusammentreiben verwendet, hier zum Glück ein Quatt.

Mittags machten wir eine Stunde Pause und haben uns selbst etwas in der Küche zusammengezaubert. Mittags essen die Farmer sehr wenig. Bei ihnen ist das Abenddinner die Hauptmahlzeit. Nachmittags um 2 ging es dann mit dem Melken los..

Die unzählbaren Kühe sind in verschiedenen eingezäunten Wiesen verteilt. Es gibt nur einen Stall, in dem sich die kleinen Kälber befinden. Der Hauptzentralpunkt der Farm ist das Melkgebäude. Davor sind verschiedene Abtrennungen für die Kühe. Die Farmtochter sagte zu mir, ich soll vor dem Melkstand auf sie warten,  sie und die Französin kommen in 2 Minuten wieder. Sie fuhr mit dem Quatt raus und sprengte den ersten Teil der Kühe zu mir. Jetzt rannten ein paar hundert Kühe auf mich zu und standen vor dem Melkstand. Hat sie gesagt, sie kommt mit ein paar hundert Kühen und ich soll irgendetwas absperren? Ich glaube nicht..

Da stand ich nun mit ein paar hundert Kühen und hoffte, das wird schon so passen. Es wurde ja auch nichts abgesperrt. Als die beiden zurückgekommen sind, sagten sie nichts. Es war also alles ok. Wir gingen in den Melkstand und liesen links und rechts jeweils 30 Kühe herein. Jetzt ging der Marathon los. Da die Tochter draußen die Kühe immer wieder eintreiben musste, arbeitete ich mit der Französin im Melkstand alleine. Das war eine Hektik und gebrülle. Ich war am ersten Tag einfach nur verblüfft und hatte überhaupt keinen Überblick. Da alle keine Zeit hatten, wurde mir auch nichts erklärt. Ich war vom ersten Tag einfach mittendrin im Arbeitsablauf. Nach den ersten 200 Kühen lief es dann schon viel besser, ein Ende war aber nicht in Sicht. Am nervigsten waren die Kühe, die erstmals gemolken werden. Da kommt es schon häufig vor, dass die ein oder andere Kuh mit ihren Beinen heftig ausschlägt. Um etwa 7 Uhr abends waren wir schließlich fertig. Jetzt ging es gleich mit der Kälberfütterung weiter. Gleicher Chaosablauf wie am Morgen. 🙂 Um 8 Uhr abends gingen wir dann „frisch gebräunt“ ins Haus zum Duschen und Abendessen. Da die Farmerin Lehrerin ist und momentan Ferien hat, bekommen wir abends immer aufwendig leckergekochte Mahlzeiten.

Mittlerweile hat sich die Farmarbeit schon sehr gut eingespielt. Ich hab meine eigenen Aufgaben, die ich täglich selbständig erledigen kann. Morgens zusammen Kälber füttern, danach alleine Getreidesäcke vollfüllen, mit dem Quatt auf die Felder rausfahren und damit die Kühe füttern. Danach alltägliche Arbeiten, wie verlorene Kühe mit dem Quat zurückbringen, einfangen, Kühe über den Fluß treiben, beim Kuhbranding helfen, Kühe sortieren, reinigen, usw. Nachmittags ab 2 Uhr arbeite ich täglich zusammen mit einem Australier im Melkstand und schließe die unzähligen Kühe an. Das zählen hab ich schon lange aufgegeben. Alles hat sich schon so gut eingespielt, dass wir eine Stunde früher als noch vor einer Woche fertig werden. Anstrengend ist es aber noch nach wie vor. Die Getreidesäcke haben schon ein paar Kilos und der Melkmaraton macht sich auch in den Armen bemerkbar. Aber das soll sich ja auf die Muskeln und dem Bankkonto auszahlen. Lohnen tut sich die ganze Sache auf jeden Fall! Nach 3 Monate Farmarbeit bekomm ich neben der Topbezahlung auch noch ein Secondyear Visum. Das heißt, ich dürfte bis ich 31 Jahre bin, nochmal ein Jahr in Australien reisen und arbeiten. Außerdem wird mein englisch immer besser und mein deutsch immer schlechter… 🙂

Unfälle wie meine aufgerissene Hand durch ein Kalbzahn, blaue Flecken, Quattunfall der Backpackerin und Nasen-OP eines Mitarbeiters beschreibe ich auf Rücksicht meiner Eltern, die sich wegen alles Sorgen machen lieber nicht. Take it easy 🙂

2 Gedanken zu „Back to the Roots“

  1. Das ist der pure Wahnsinn …!! Die beste geilste lohnenswerteste erfahrung deines lebens! Einfach toll das du dieses abenteuer gewagt hast,sehr beneidenswert!! Schön das du so gut zurecht kommst und es dir gut geht!!! Fettes drucki und weiter so!

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